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Austro-British Society Carinthia

The following background text is taken from
British Corners,
Ein Projekt der Kulturvermittlung Steirmark — Kunstpädagogisches Institut Graz,
Project Management: Max Aufischer
© Kulturvermittlung Steiermark 2007
An English translation will be made available soon.

British Corners Graz

Mario Muigg

Anlässlich des österreichischen Jubiläumsjahres 2005 – Schwerpunkte waren 60 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft – gedachte man in Österreich auch der zehnjährigen Besatzungszeit von 1945 bis 1955. Alliierte Truppen übernahmen nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes die Herrschaft über Österreich, wobei sich in den ersten Wochen nach Kriegsende in oftmals verwirrendes Bild bot. So wurden etwa in der Steiermark weite Teile des Landes inklusive der Hauptstadt Graz sowjetisch besetzt, während im Westen amerikanische und britische und im äußersten Süden jugoslawische und bulgarische Einheiten standen. Eine Situation, die sich bald ändern sollte. Vereinbarungen zwischen den alliierten Siegermächten sahen die Steiermark als einen Teil der britischen Besatzungszone vor und so übernahmen – nach einem rund elfwöchigen, im kollektiven Gedächtnis der Steirerinnen und Steirer stark verankerten, sowjetischen Intermezzo – am 24. Juli 1945 Truppen der 46. Infanteriedivision der 8. britischen Armee die Kontrolle über das Land. Die Steiermark und insbesondere deren Hauptstadt Graz als Sitz der politischen und militärischen Verwaltung waren „britisch“ geworden.

Vom 3. bis zum 31. Oktober 2005 (und teilweise darüber hinaus) wurde im gesamten Grazer Stadtgebiet das Projekt „British Corners Graz“ zusammengestellt und durchgeführt von der Kulturvermitlung Steiermark, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zentraler Inhalt des Projektes war es, historische Fotografien aus der Zeit der britischen Besatzung von 1945 bis 1955 an jene Orte zurückkehren zu lassen, an denen sie aufgenommen wurden. Anhand von Fotoinstallationen an ausgewählten Punkten der Stadt entstand eine „britische Landkarte von Graz“, die es den Betrachterinnen und Betrachtern ermöglichte, eindrucksvollen (fotografischen) Dokumenten der jüngeren Grazer Geschichte am Ort ihres Ursprungs begegnen zu können.

In Kooperation mit dem Imperial War Museum London, der Karl-Franzens-Universität Graz, dem Landesmuseum Joanneum, dem Steiermärkischen Landesarchiv, dem Stadtmuseum Graz, dem Historischen Archiv des ORF und der Sammlung der Grazer Stadthistorikers Kubinzky war es gelungen, bekannte und weniger bekannte „britische Ecken“ in Graz – „British corners“ –aufzulisten und zu dokumentieren. Diese Liste, die in den letzten Monaten durch zusätzliche Forschungsarbeiten beträchtlich erweitert werden konnte, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann nur als eine Momentaufnahme der ständig in Veränderung begriffenen zeitlichen Abläufe und Entwicklungen verstanden werden. Denn waren die Briten in den ersten drei Jahren nach Kriegsende zahlenmäßig und in der öffentlichen Wahrnehmung stärker präsent, so wurde ihre militärische und öffentliche Präsenz in den folgenden Jahren auf ein Minimum reduziert. Damit einher ging verständlicherweise ein kontinuierlicher Rückgang von „British corners“, die das Grazer Stadtbild in den Jahren der Besatzung oft nachhaltig geprägt hatten. Zudem waren manche britische Einrichtungen an mehreren Orten der Stadt untergebracht bzw. wechselten im Laufe der Zeit ihre Adressen und zeichneten somit für mehrere „British corners“ verantwortlich. Ebenso in die Liste der „britischen Ecken von Graz“ aufgenommen wurden die zahlreichen Flüchtlings- und Barackenlager, die während der Besatzungszeit einen wesentlichen Teil des städtischen Erscheinungsbildes ausmachten. Obwohl nur wenige Lager unter direkter britischer Verwaltung standen, wurden sie von den Briten zumindest geduldet und zur Kenntnis genommen.

Das vorliegende Forschungsergebnis kann als Ausgangspunkt und wichtiger Baustein für eine weiterführende Beschäftigung mit dem Thema dienen und stellt einen Beitrag zur jüngeren Grazer Stadtgeschichte dar. Einen Beitrag, den Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, ergänzen und verbessern können. Sollten Sie nämlich weitere Orte mit britischem Bezug kennen, wären wir Ihnen für Mitteilungen und etwaige Zusendungen überaus dankbar.


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